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Ein frühes Plädoyer für christlich-jüdischen Respekt.
Vor 500 Jahren erschien der Augenspiegel,
eine Streitschrift des Humanisten Johannes Reuchlin

(RBB Kulturradio, 29. Dezember 2011)

Anfang des 16. Jahrhunderts kam es zum sogenannten "Judenbücherstreit": Nicht zuletzt kirchliche Kreise forderten, religiöse Schriften des Judentums aus den Bibliotheken zu ent-
fernen und den Juden ihre Bücher zu nehmen. Kaiser Maximilian I. ließ Gutachten erstellen, um die Rechtmäßigkeit dieses Ansinnens zu prüfen. Einzig der katholische Humanist Johan-
nes Reuchlin widersprach der Forderung. Seine Streitschrift Augenspiegel, 1511 in Tübingen gedruckt, ist ein frühes Plädoyer für ein respektvolles Zusammenleben von Christen und Juden in Deutschland, getragen von den humanistischen Ideen der Toleranz und Achtung voreinander.


Humanistischer Metaphysiker und apokalyptischer Visionär.
Zum 100. Geburtstag des Dichters Czesław Miłosz
 
(RBB Kulturradio, 25. Juni 2011)

Lange ist der Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Czesław Miłosz vor allem als politischer Essayist und Romancier wahrgenommen worden, dabei zählt er zu den be-
deutendsten europäischen Lyrikern des 20. Jahrhunderts. Die Brüche und Katastrophen dieses Jahrhunderts haben seine Biographie und sein Werk geprägt. Im damals noch za-
ristischen Litauen geboren, überlebte er den Krieg im besetzten Warschau, wurde Diplo-
mat im kommunistischen Polen, emigrierte in den 1950er Jahren nach Frankreich und ging 1960 als Literaturprofessor nach Kalifornien. Nach der politischen Wende kehrte Miłosz nach Polen zurück und starb 2004 in Krakau.


Zum 250. Geburtstag von Jan Graf Potocki:

Von Räubern, Gespenstern und Kabbalisten.
Jan Graf Potockis Roman Die Handschrift von Saragossa

(RBB Kulturradio, 5. März 2011)

"Reich an Eskapaden ist beides: Die Biographie des vor 250 Jahren gebore-
nen Kosmopoliten, Forschungreisenden und Schriftstellers Jan Graf Potocki und sein literarisches Hauptwerk 'Die Handschrift von Saragossa'. Als 'Tau-
sendundeine Nacht' der europäischen Aufklärung hat man diesen Roman be-
zeichnet, der den Leser auf fast tausend Seiten durch ein Labyrinth schauer-
licher, phantastischer und erotischer Erzählungen führt. Abenteuerlich ist auch das Schicksal des Buches. Das Originalmanuskript ist verschollen. Teile sind in Archiven von Rußland bis Spanien entdeckt worden."

                                                                  Kulturradio-Programmzeitschrift, 3/2011


"Und, siehst du, hier verbringt man so sein Leben."
Kurt Tucholsky und sein Berlin.

(RBB Kulturradio, 25. Dezember 2010)

"Der Schriftsteller Kurt Tucholsky, 1890 in Berlin geboren, setzte sich in seinen Texten immer wieder mit der Stadt, in der er bis 1927 lebte, auseinander. Seine scharfen Beobachtungen sind jedoch nicht nur von zeithistorischem Wert und spiegeln die Atmosphäre im Berlin der 20er Jahre wider. Vieles, was er damals über die Stadt und ihre Bewohner schrieb, ist erstaun-
lich aktuell geblieben. Zum 75. Todestag geht Thomas Diecks dem nicht spannungsfreien Verhältnis Tucholskys zu 'seinem' Berlin nach."  
       
                                                                                        Kulturradio-Programmzeitschrift, 12/2010



Kurt Tucholsky (1890-1935)


"Der rheinische Hausfreund".
Zum 250. Geburtstag Johann Peter Hebels.

(RBB Kulturradio, 8. Mai 2010)


"Man mache ihn "mit Gewalt zum Schriftsteller", meinte der 42-jährige Gymnasiallehrer Johann Peter Hebel, als er 1802 den Auftrag bekam, erbauliche Geschichten für den badi-
schen Landkalender zu schreiben. Heute zählen Hebels im Ton naive, aber hintersinnige Kurzgeschichten wie Kannitverstan und Unverhofftes Wiedersehen zur Weltliteratur. Und die Reihe ihrer Bewunderer ist beeindruckend lang, sie reicht von Goethe über Tolstoi, Kafka, Benjamin und Hesse bis zu Canetti, der einmal bekannte, kein Buch geschrieben zu haben, das er nicht heimlich an Hebels Sprache maß."

                                                                                     Kulturradio-Programmzeitschrift, 5/2010


        "Mein Denkmal soll ein Blatt sein voll mit Zeilen."
Zum 400. Geburtstag des Barockdichters Paul
Fleming

(RBB Kulturradio, 3. Oktober 2009)

"Nicht nur in Kantaten Johann Sebastian Bachs sind die Verse Paul Flemings lebendig geblieben. Der ausgebildete Mediziner, der während des Dreißigjährigen Krieges lebte, fand in seinen Oden, Liebes- und Trauergedichten zu einem ganz eigenen, in der deut-
schen Lyrik bis dahin nicht gehörten persönlichen Ton, der uns bis heute anspricht. Thomas Diecks porträtiert den Barockdichter, der Reisen bis nach Moskau und Persien unternahm und nur dreißig Jahre alt werden sollte."

                                                                              Kulturradio-Programmzeitschrift, 10/2009

Kupferstich von Anna Maria van Schurman


Die Alchimie des Geldes ­ ­­­- Goethes Gedanken zur Finanzkrise
(RBB Kulturradio, Erstsendung: 13. Juni 2009; Wiederholung: 30. Oktober 2010)

"Wie eine rätselhafte Krankheit ist die große Finanzkrise durch den gesellschaftli-
chen Organismus gezogen. Scheinbar stand einen Moment lang alles auf der Kippe, die Kosten der Rettung wurden dramatisch, heute rollt die nächste Konjunkturwelle, als wäre nie etwas gewesen. Was genau ist eigentlich passiert? Wer erklärt uns den jähen Wechsel von Apokalypse und Optimismus? Autor Thomas Diecks hat bei Goethe nachgeschlagen. Sein Feature Die Alchimie des Geldes entdeckt vor allem im zweiten Teil des Faust verblüffend aktuelle Einsichten in das Wesen des modernen Geldgewerbes. Wie Goethe über Kreditwirtschaft dachte und warum er dem Papier-
geld magische Kräfte zumaß. Wie viel Schöpfer-, aber auch Zerstörungskräfte in mo-
netären Fantasien stecken und wieso Scharlatane hier ein reiches Betätigungsfeld finden."
                                                                             
                                                              Tom Peuckert, Der Tagesspiegel, 27. Oktober 2010


"Entdecke deine eigene Zensur - und handle ihr zuwider."
Zum 75. Geburtsag des Schriftstellers und Antipolitikers György Konrád
(NDR Kultur, 30. März 2008)

In den 1980er Jahren sorgte der Schriftsteller György Konrád für nicht geringes Befremden diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs, als er für die Überwin-
dung der politischen Ost-West-Spaltung eintrat, an die gemeinsamen kulturellen Wurzeln Mitteleuropas erinnerte und damals auch äußerte, die deutsche Teilung sei ein künstliches Gebilde.Doch nur wenige Jahre später wurden seine utopisch anmutenden Gedankenspiele unversehens von der Wirklichkeit eingeholt. In die-
ser Sendung werden Leben und Werk des ungarischen Romanautors und Essay-
isten porträtiert. Im Mittelpunkt steht ein Gespräch, das der Autor der Sendung mit György Konrád in Budapest geführt hat.

                                                                   * * * * *

Die Stimme Mitteleuropas
Der ungarische Schriftsteller György Konrád wird 75
 
(RBB Kulturradio, 29. März 2008)

Der Romanautor, Essayist und "Antipolitiker", der als Kind der Deportation nach Auschwitz nur knapp entging, der als prominenter Dissident über viele Jahre in Ungarn mit Publikationsverbot belegt war und von 1997 bis 2003 Präsident der Berliner Akademie der Künste gewesen ist, ließ sich in Budapest zu seinen An- und Einsichten befragen.


Literarische Spaziergänge in Berlin

(NDR Kultur, 23. September 2007)

"'Arm, aber sexy!' - so sieht Berlins Regierender Bürgermeister seine Stadt. Arm ist die deutsche Hauptstadt nicht immer gewesen, aber zu allen Zeiten ein literarischer Anziehungspunkt, ein Ort künstlerischer Inspirationen, auch eine kreative Reibfläche - von Heinrich Heine bis Gottfried Benn, von Theodor Fontane bis Alfred Döblin. Doch wie denken Autoren heute über ihre Stadt, wie leben sie in ihr? Thomas Diecks hat sich auf seinen literari-
schen Streifzügen durch die Stadtbezirke mit dreizehn Berliner Schriftstel-
lern aus Ost und West getroffen - darunter F. C. Delius, Reinhard Jirgl, Katja Lange-Müller, Kathrin Röggla, Ingo Schulze und Peter Wawerzinek. Sie werfen ganz persönliche Blicke auf die deutsche Metropole, schildern ihre Erfahrungen seit 1989 und erzählen von ihren Wahrnehmungen des heutigen Berlin, das dazu verurteilt zu sein scheint, 'immerfort zu werden und niemals zu sein'."                                    (NDR Kultur, Programmhinweis)


Das Romanische Café an der Gedächtniskirche: In den Zwanziger Jahren Treffpunkt der Schriftsteller, Journalisten und Schauspieler. Erich Käst-
ner nannte es 1928 den "Wartesaal der Talente".


"Die Stadt kommt mir wie eine geschwätzige Sphinx vor."
Samuel Beckett in Berlin 1936/37

(RBB Kulturradio, 15. April 2006)

1936/37 verbringt der damals noch unbekannte Samuel Beckett sechs Wochen im winterlichen Berlin. Er geht ins Kino und Theater, erkundet die Stadt auf langen Spaziergängen und entdeckt vor allem die Berliner Museen für sich. Die erst nach dem Tod des Schriftstellers überraschend wieder aufgetauchten Reisetagebücher lassen die bedrückende Atmo-
sphäre dieser Jahre spüren und zeigen Beckett als hellwachen Beobachter und Kommentator der politischen Situation. "Am 13. April begeht die Li-
teratur- und Theaterwelt den 100. Geburtstag von Samuel Beckett. Zu den Radiosendungen rund ums Jubiläum gehört "Die Stadt kommt mir wie ei-
ne geschwätzige Sphinx vor". Anhand seiner erst kürzlich wieder aufge-
tauchten Reisetagebücher werden die sechs Wochen rekonstruiert, die Beckett 1936/37 in Berlin verbracht hat."

                                                                                                        tip Berlin, 8/06


Samuel Beckett und Deutschland.
Zum 100. Geburtstag des irischen Dichters.

(NDR Kultur, 11. April 2006)

"Von der frühen Begeisterung Samuel Becketts für Deutschland weiß man erst, seit - Jahre nach dem Tod - im Keller seiner Pariser Wohnung die 'German Diaries' entdeckt worden sind. Auf 500 engbeschriebenen Seiten notierte er sich alles, was ihm auf einer sechsmonatigen Deutschlandreise ausgerechnet in den Jahren 1936/37 auffiel. Bisher nur in Auszügen veröffentlicht, zeigt dieses Tagebuch den jungen Beckett nicht nur als hellwachen Beobachter, sondern auch als einen Bewunderer und Kenner der deutschen Literatur und Kunst. Die Sendung begibt sich auf die Suche nach 'deutschen' Spuren im Leben und Werk von Samuel Beckett, der immer wieder durch seine erstaunlichen Sprachkenntnisse verblüff-
te, eng mit seinen deutschen Übersetzern zusammenarbeitete und nach dem Krieg gleich mehrere seiner Theaterstücke und Hörspiele in der Bundesrepublik und West-Berlin selbst inszenierte."      

                                                                                   (NDR Kultur, Programmhinweis)


"Gibt es etwas auf der Erde, was Bedeutung hätte?"
Eine Annäherung an den russischen Dichter Daniil Charms

(NDR Kultur, 13. Dez. 2005 - RBB Kulturradio, 30. Dez. 2005)

"Ein paar in Zeitschriften erschienene Gedichte und einige Kinderbücher - das war al-
les, was er zu Lebzeiten veröffentlichen konnte. Heute zählt Daniil Charms zu den wichtigsten Vertretern der literarischen Avantgarde in der frühen Sowjetunion. In Kür-
zestprosa, Miniaturgrotesken und dramatischen Szenen macht der russische Dichter die Fragilität unserer Wirklichkeit zum Thema und wirft Blicke in die Abgründe der menschlichen Natur.

Doch absurd sind nicht die Texte dieses Geistesverwandten Samuel Becketts, absurd und bodenlos ist die Welt, die er in ihnen beschreibt. Schon früh gerät Charms ins Vi-
sier der sowjetischen Behörden, die seine Texte als 'konterrevolutionär, schädlich und antisowjetisch' einstufen. 1942 verhungert der erst 36-Jährige in einem Leningrader Ge-
fängnis während der Blockade der Stadt durch deutsche Truppen."                                                                   
                                                                                             (NDR Kultur, Programmhinweis)


Im Geheimdienst Seiner Majestät des Lesers.
Graham Greene zum 100. Geburtstag
(NDR Kultur, 28. September 2004)

"Konservativen Zeitgenossen waren seine Romane zu freizügig und zu engagiert, an-
deren wiederum zu religiös. Trotz der bis heute anhaltenden Popularität ist Graham Greene ein umstrittener Autor geblieben. Er selbst teilte seine Werke in 'Unterhaltung' und 'Romane' ein, hierzulande verbindet man mit seinem Namen (...) meist nur Titel wie 'Der dritte Mann' und 'Unser Mann in Havanna'. Dabei schrieb Greene auch Romane, in denen er sich mit der südafrikanischen Apartheid kritisch auseinandersetzte oder das Terrorregime Duvaliers auf Haiti angriff. Wer war dieser Graham Greene (...), der lange Jahre für den britischen Geheimdienst arbeitete, aber den Vietnamkrieg der Amerikaner öffentlich scharf kritisierte. In dieser Sendung wird der Schriftsteller vorgestellt, der viele Jahre als Kandidat für den Nobelpreis gehandelt wurde und den Marcel Reich-Ranicki einmal  'den wahrscheinlich besten Romancier auf Erden' nannte."  

                                                                                       (NDR Kultur, Programmhinweis)


Von der Schillerhöhe in den unterirdischen Himmel.
Das Marbacher Schiller-Nationalmuseum und sein Literaturarchiv
(NDR Kultur, 11. November 2003 -  RBB Kulturradio, 7. Februar 2004)



Mehr als zweihundert literaturkritische Beiträge zu literarischen und literaturwissenschaftlichen Werken, u. a. für Deutsche Bücher, Wolfenbütteler Barock-Nachrichten und das Lichtenberg-Jahrbuch sowie für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Neue Zür-
cher Zeitung
, den Rundfunk Berlin-Brandenburg (ehemals Sender Freies Berlin), den Norddeutschen Rundfunk und den Südwest-
rundfunk
(ehemals Südwestfunk).

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© Thomas Diecks 2006-2012

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